Auf diesem Bild ist die Haltestelle „Enzianhof“ in Zell am Ziller zu sehen. Hier kann man lange warten. Zum Beispiel auf den Bus. Oder auf Schnee – ganz nach Belieben und Wartepriorität. Wer in Ruhe richtig lange warten möchte, dem sei ans Herz gelegt, einmal tief durchzuatmen, in die Sonne zu blinzeln und die ersten Flocken zu erwarten. Denn fast noch länger als auf Busse an aufgelassenen Haltestellen warten wir diesen Winter auf Schnee.

Mich beschäftigen und erfreuen während meiner Schneewarterei zweierlei Dinge: Eine wunderbare Bilderbuchgeschichte übers Eingeschneit- Sein, über tiefen Schneefall und einen langen Tag des Wartens darauf, dass die Flugzeuge wieder landen können und der Papa des Kindes dieser Geschichte endlich heimkommen kann. Und die Lebensgeschichte des Wilson A. Bently, dem Schneeflocken-Mann, welcher Jahre seines Lebens damit verbrachte, auf Schnee zu warten. Um ihn zu fotografieren. Wilson A. Bently (1865 – 1931) hatte sich zur Aufgabe gemacht, die individuelle Schönheit von Schnee – flocken sichtbar zu machen. Seine Fotografien seien ein Geschenk an die Welt, meinte Bently und verpackte dieses in Form seines 1931 erschienenen Buchs „Snow crystals“. Der Bauer, Fotograf und Schneeforscher starb kurz darauf an einer Lungenentzündung, die er sich während eines Schneesturms geholt hatte, so das traurige Ende seiner schönen Biografie. In meiner anderen Schneegeschichte hat es endlich aufgehört zu schneien, die Flugzeuge landen wieder und der Papa des Kindes kommt morgen nach Hause.

Worauf auch immer Sie warten möchten – ich wünsche Ihnen Ruhe, Geduld und einen schönen Warte-Raum. Vielleicht suchen Sie ja nach Ihrer nächstgelegenen, aufgelassenen Haltestelle …

Der Text wurde 2014 in der Februar-Printausgabe des momag publiziert.

2014-02

Es schneit!

Von Komako Sakai

Aus dem Jap. von Ursula Gräfe

Dieses Bilderbuch ist 2007 bei Moritz erschienen.