Letzten Sommer habe ich an einer Hauswand in Ljubljana diese Sprechblase entdeckt. Das kleine Schild ruft lautstark: „Denken, darüber sprechen und eventuell umdenken!“ Am Tag, an dem ich das Foto wieder gefunden habe, musste ich an einen Beitrag auf Ö1 in der Sendung „Motive. Glauben und Zweifeln“ vom 25. Mai denken. Anfang Mai hatte eine Frau mit Bart für große Freude und ebenso viel Aufregung gesorgt. Auf Ö1 sprach nun ein evangelischer Pfarrer darüber, wie sehr ihn die Worte der Songcontestgewinnerin nach der Übergabe der Trophäe berührten. Die Rede des Pfarrers hat mich beeindruckt. Das Wort „Sie“ käme ihm in Zusammenhang mit Conchita Wurst nicht selbstverständlich über die Lippen, gesteht er. Doch er denkt an genau diesem Punkt weiter und formuliert ein Plädoyer für Vielfalt, Akzeptanz und Toleranz. Wie klug von ihm, die Irritation nicht einfach so sein zu lassen sondern darüber nachzudenken, WARUM der Anblick einer Frau in Ballkleid und Vollbart nicht in das Bild von „Frau“ oder „Mann“ passt! Denn: brauchen wir diese Bilder überhaupt? Wozu? Wir könnten anstatt „Mann“ und „Frau“ auch „Mensch“ denken!

Dazu muss ich Ihnen von Paul erzählen, dem Jungen im Bilderbuch „Paul und die Puppen“. Der macht sich viele Gedanken. Zum Beispiel darüber, warum die Jungs im Kindergarten so gerne mit ihm kämpfen und sein Papa es mag, wenn er gut in Fußball ist. Paul überlegt gründlich und denkt dann um. Er „sucht sich einen glänzenden Rock mit einem geblümten Rüschel aus, der ist perfekt für Prinzessinnentanz“.

Der Text wurde 2014 in der Sommer-Printausgabe des momag publiziert.

2014-07-08

Paul und die Puppen

Von Pija Lindenbaum

Aus dem Schwed. von Birgitta Kicherer

Dieses Bilderbuch ist 2008 bei Beltz & Gelberg erschienen.