Kennen Sie diese Frucht? Sie wächst in Asien, Afrika sowie Südamerika und bevorzugt ein tropisches Klima. Auch wenn sie Ihnen jetzt nicht auf Anhieb bekannt vorkommt, ich kann versichern, Sie haben Ihren Geschmack schon oft genossen.

Neugierig? Dann probieren Sie doch bei Gelegenheit eine Prise davon. Sie werden begeistert sein, nur keine Angst! – Denn die Angst vor auf den ersten Blick Unbekanntem ist ohnehin schon viel zu weit verbreitet. Sogar am Wochenmarkt habe ich sie unlängst angetroffen, diese große Furcht vor fremden Geschmäckern, Traditionen, Weltgegenden und Menschen. Hier macht sie sich durch unreflektiert nacherzählte Halbwahrheiten über ungenau gelesene Berichterstattungen bemerkbar.

Klischees zu uns fremden Lebensweisen halten sich oft standhaft, auch bei ansonsten ganz klugen Erwachsenen. Falls Sie so jemanden kennen: Wären Sie bitte so nett, die- oder denjenigen daran zu erinnern, gegen durch Vorurteile provozierte Ängste die Hilfe eines Kindes in Anspruch zu nehmen?! So wie es auch der Mann im Bilderbuch „Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm“ tut. Kinder können uns durch ihre eigene Unvoreingenommenheit zeigen, dass auf den ersten Blick weit Entferntes oftmals viel näher und vertrauter ist, als wir denken. – Wann haben Sie zum letzten Mal Erdäpfelpüree ohne eine Prise Muskatnuss gegessen?

Der Text wurde 2015 in der März-Printausgabe des momag publiziert.

2015-03

Wie ich Papa die Angst vor Fremden nahm

Von Rafik Schami & Ole Könnecke

Dieses Bilderbuch ist 2003 bei Hanser erschienen und um € 13,30 im Buchhandel vor Ort erhältlich.