„Wo kann ich das Glück suchen?“, fragt der österreichische Schriftsteller Heinz Janisch in seinem neuen Gedichtband. Ja, wo denn eigentlich? Suche ich das Glück bei meiner Familie, im Freundeskreis, draußen in der Natur oder vielleicht im Büro? Wo kann ich es suchen? – Aber Moment, stimmt denn diese Frage überhaupt? Will ich das Glück nicht lieber gleich finden? Heinz Janisch fragt aber nicht „Wo kann ich das Glück finden?“. Das Lyrische Ich seines Gedichtes erkundigt sich, wo es das Glück suchen kann; wenn Janisch „suchen“ schreibt, dann meint er auch „suchen“, nicht „finden“. Er, als einer, dessen Gedichte oder Bilderbuchtexte manchmal nur aus einzelnen Wörtern bestehen, wiegt ab, schaut ob ein Wort passt, ob es sich wohl fühlt. Erst dann kann er weitersuchen, nach einem neuen Wort, das neben dem anderen stehen möchte, sich vielleicht darauf reimt.

„Suchen“, was reimt sich auf „suchen“? – Buchen?! Ja, das könnte klappen. Die Suche nach dem Glück bei Bäumen zu beginnen, scheint stimmig. Oder klein geschrieben „buchen“? Den Sommerurlaub buchen. Auch bei dieser Aktivität könnte das Glück gut zu finden – ich meine zu „suchen“ – sein. Der Dichter wiegt Worte ab und macht dadurch auf kleine Glücksmomente aufmerksam. Wie schön, von ihm auf die Suche geschickt zu werden!

Ich werde nach dem Glück jetzt auch in der Mittagspause suchen. Sie vielleicht ja ebenso, wenn ich Ihnen sage, wie Heinz Janischs Antwortreim klingt:

„Wo kann ich das Glück suchen?

In einem Kuchen.

Manchmal steckt es auch in einem Schnitzel

oder in einem Eisstanitzel.“

Der Text wurde 2015 in der Mai-Printausgabe des momag publiziert.

2015-05

Wo kann ich das Glück suchen?

Von Heinz Janisch & Linda Wolfsgruber

Dieser Gedichtband ist 2015 bei Jungbrunnen erschienen und um € 13,95 im Buchhandel vor Ort erhältlich.