Im Waidhofner Konviktgarten traf ich erst unlängst eine kleine, lachende Figur aus Kreide. Diesen Moment habe ich für Sie via Schatten-Selfie festgehalten. Sieht schön aus, der Straßenkreidenstrahlemann, nicht wahr?

Er könnte ein guter Anfang für eine buntere Stadt sein, habe ich mir überlegt. Darauf hat mich die Illustratorin Alice Hoogstad mit ihrem textlosen Bilderbuch „Das kunterbunte Monsterbuch“ gebracht. Denn dort zeichnet ein Mädchen mit Kreidestiften auf den Straßen ihrer Kleinstadt. Sie malt bunte Wesen, freundliche Tier- und Monsterfiguren, die Schritt für Schritt den ansonsten völlig schwarz-weiß gehaltenen Schauplatz durch ihre Farbigkeit und schrille Andersartigkeit beleben. Verdutzt bleiben die BürgerInnen der Stadt stehen, stoppen ihre Autos, schieben ihre Kinderwagen etwas langsamer. Denn plötzlich werden die farbenfrohen BesucherInnen lebendig und beginnen ebenfalls, mit Kreide zu malen. Die Fassaden der Häuser und Türme färben sich straßenkreidebunt. Einige freuen, andere wundern sich, manche sind verärgert und beginnen, die BuntmacherInnen aus ihrer Stadt zu vertreiben. Alles soll wie früher sein, ordentlich schwarz-weiß! – Dabei wäre dieses abwechslungsreiche Treiben ja ohnehin nur für die kurze Dauer einiger Sommertage gewesen. Bis der nächste Regen kommt.

Ganz nebenbei bemerkt: Am letzten Juli-Wochenende findet in Linz wieder das Pflasterspektakel statt.

Der Text wurde 2015 in der Sommer-Printausgabe des momag publiziert.

COVER.indd

Das kunterbunte Monsterbuch

Von Alice Hoogstad

Dieses Bilderbuch ist 2015 bei Aracari erschienen und um € 15,40 im Buchhandel vor Ort erhältlich.