Sarah Orlovskýs Debutroman „Tomaten mögen keinen Regen“ handelt unter anderem von Sprache. Das darf ich jetzt aber nicht genauer erzählen! Denn sonst verrate ich eigentlich schon zu viel. Spoileralarm! Wie könnte ich trotzdem davon schreiben? Mir fehlen die richtigen Worte. Vermutlich sollte ich dringend in der „EL-FABRIK“ (bestimmt ein unergründlicher Marketinggag, weil es eigentlich „El-Fabrik“ oder besser „L-Fabrik“ heißt) vorbeischauen. Denn dort werden „Els“, also „Ls“, produziert, wenn ich das richtig verstanden habe. Eine Fabrik für Buchstaben, folglich auch für Wörter. Sehr fein! Wenn ich nicht weiß, wie ich etwas formulieren oder sagen soll, werde ich künftig die „L-Fabrik“ aufsuchen. Die stellen dort bestimmt die richtigen Buchstaben für mich her!

Was ich zum Roman aber schon noch erzählen könnte: Es ist ein sehr außergewöhnliches Buch, voll der stimmig und schlau charakterisierten Figuren. Menschen, die man am liebsten persönlich kennenlernen möchte. Weil sie sympathisch sind, über vertraute Dinge nachdenken oder Sorgen aussprechen. Zu Beginn erzählt eine Frau davon, dass sie manchmal zu viele Geschichten mit sich herumträgt. Sie kennen das vielleicht. Wenn die „L-Fabrik“ zu fleißig gearbeitet hat und abends ein Gefühl bleibt, als hätte man die gesamte Tagesproduktion alleine abbekommen. Die Frau im Roman hat dafür einen Trick: „Ich schließe einfach die Augen und öffne meinen Kopf und alle Gedanken fließen heraus. Ich lasse alles los, was nicht mir gehört. Und dann öffne ich die Augen und stelle mir vor, dass ich alles zum ersten Mal sehe.“

Der Text wurde 2015 in der September-Printausgabe des momag publiziert.

Cover Tomaten mögen keinen Regen

Tomaten mögen keinen Regen

Von Sarah Michaela Orlovksý

Dieser Jugendroman ist 2013 bei Tyrolia erschienen und um € 14,95 im Buchhandel vor Ort erhältlich.