Manchmal ist noch einer da, wenn wir morgens erwachen. Ein Traum oder ein Bruchstück eines Traums und schon bei den ersten Schlücken Kaffee hat er sich wieder verflüchtigt. Kaum möchte er ausgesprochen werden, ist er auch schon wieder weg. Träume sind sprichwörtlich nicht umsonst Schäume, zerbrechliche Gebilde, wie aus dünnem Glas. Sie sind nur für uns selbst bestimmt, so scheint es. Oder vielleicht auch für diejenigen, die am Morgen neben uns erwachen, die da sind, wenn eine Traumgeschichte noch genügend Zusammenhang hat, um erzählt zu werden.

Während dem Schlafen erleben wir Geschichten, oft sind wir selbst deren Figuren und erfahren oder erledigen Dinge, die während wir wach sind, nicht fertig gebracht wurden. Träume sind Reflexionsmomente, sie halten uns den Spiegel vor und erinnern an erfolgreich verdrängt geglaubte Emotionen. Dabei bedienen sie sich oftmals symbolhafter Bilder. – Kennen Sie zum Beispiel den Traum von der Tür, die nicht geöffnet werden darf? Oder den Unterwassertraum? Falls nicht, sollten Sie sich das neue Bilderbuch der argentinischen Künstlerin Isol aufs Nachtkastl stellen. Dieses Buch, das wie ein Stehkalender aufgebaut werden kann, verspricht „5-Minuten-Rezepte für allerlei Träume“. Das Besondere dabei ist, dass die darin gezeichneten Traumbilder am Abend gewählt werden können. Und dass diese selbst bestimmten Träume nachts sogar richtig leuchten, ist wunderbar sowie unterhaltsam. – Wann haben Sie zuletzt so richtig schön geträumt?

Der Text wurde 2015 in der November-Printausgabe des momag publiziert.

Cover Isol

Nachts leuchten alle Träume

Von Isol

Dieses Traumbuch ist 2015 bei Sauerländer erschienen und um € 16,50 im Buchhandel vor Ort erhältlich.