Im norwegischen Kinderroman „Super-Bruno“, der erst unlängst auf Deutsch erschienenen ist, wird Bruno von seinen Eltern beinahe alle paar Seiten einmal gefragt, ob es ihm auch wirklich gut gehe. Grund zur Besorgnis gibt es genug: der Opa des Jungen ist nämlich erst kürzlich verstorben. Bruno beteuert wiederholt, dass es ihm gut geht. Alles okay! Wir LeserInnen glauben ihm das jedoch nicht wirklich. Es wäre ja auch kaum vorstellbar, so lieb wie Bruno seinen Opa gehabt hat! Die Eltern tun es uns gleich, lassen ihm aber Freiraum, in seiner stillen Trauer als auch in den Abenteuern, die er währenddessen als selbst ernannter Superheld erlebt. Trotzdem vergessen sie nicht darauf, immer wieder nachzufragen: „Geht es dir gut, Bruno?“ Bruno antwortet nicht. „Geht es dir gut, Bruno?“, wiederholte Mama. „Nein“, sagte Bruno. „Mir geht‘s nicht gut.“

Endlich! Unser Held spricht über sein Empfinden, er gesteht sich und uns Erwachsenen ein, dass es gerade gar nicht gut geht, nicht passt und so nicht weitergehen darf.

Den diesjährigen FM4-Protestsongcontest hat eine Künstlerin gewonnen, die uns in aller Ruhe, aber umso eindringlicher daran erinnert, wie das früher war, als wir noch besser gespürt haben, was uns fehlt. Sarah Lersch singt: „Lasst eure Kinder mal was dazu sagen / Hört ihnen richtig zu. / Die spür‘n sich noch, die ham Feeling für die Welt. / Die sind klüger als ich und du.“ Bruno ist bestimmt ganz ihrer Meinung. Ich übrigens auch. – Es gibt immer was zu fragen!

Der Text wurde 2016 in der April-Printausgabe des momag publiziert.

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Super-Bruno

Von Håkon Øvreås & Øyvind Torseter

Diese Kinderroman ist 2016 bei Hanser erschienen und um € 13,30 im Buchhandel vor Ort erhältlich.