Welche Versionen von mir sind möglich? Wer wäre ich heute, hätte ich nicht im Buchhandel gelernt? Welche Studienrichtungen sind für mich denkbar? Warum habe ich nicht Astrologie studiert, oder Informationsdesign, Archäologie? Diese Disziplinen gehören übrigens zu meinen persönlichen Top Ten-Berufsvorschlägen, nach dem Online-Berufskompass des Arbeitsmarktservice. Ja, ich habe einen Berufswahltest im Internet zu Rate gezogen! Und nein, ich möchte mich nicht umorientieren, dass ich meine Arbeit liebe, steht völlig außer Frage. Aber kann es denn schaden, sich trotzdem hin und wieder neu zu denken? Dem Ich die Chance zu geben, gedanklich mal jemand anderer zu sein? Wie war das in der Jugendzeit, als Zukunftspläne noch hin und her wirbeln durften? Jungen Leuten wird das zugestanden, sie dürfen sich erproben, immer wieder neu erfinden. Wer sagt, dass damit später Schluss sein muss?

Nono, die Protagonistin in Sarah Michaela Orlovskýs neuem Jugendroman, ist auf Ich-Suche. In an Tagebucheinträge erinnernden Szenen, Gedanken, Erlebnissen, Dialogen und Listen erzählt sie vom Ausloten unterschiedlicher Realitäten. Ein Ausdrucksmittel ihrer Ich-Konstruktion ist der wiederholte Wechsel des Kleidungsstils: Nono testet Mamas Style, probiert sich als Skaterin, Sportlerin oder Gothic-Girl. Die Outfits sind ein symbolisches Sammelsurium gegen wärtiger als auch zukünftiger Möglichkeiten. – Diesen Roman empfehleich Ihnen ausdrücklich, ganz im Gegenteil zum Berufskompass. Aber Archäologin wäre ich schon gerne. Warum auch nicht?

Der Text wurde 2017 in der Oktober-Printausgabe des momag publiziert.

Cover_Ich

ich #wasimmerdasauchheißenmag

Von Sarah Michaela Orlovský

Dieses Jugendbuch ist 2017 bei Tyrolia erschienen und um € 17,95 im Buchhandel vor Ort erhältlich.