„Am Ende des Flures ein Zimmer. Es riecht nach damals. Es riecht nach Ferien. Auch hier geht die Lampe an. Der Lichtschalter einer der Art, die gedreht werden müssen.“ Kennen Sie das, wenn es plötzlich nach früher riecht? Oder sich ein Gegenstand nach Erinnerung anfühlt, wie ein Lichtschalter, der gedreht werden muss? Ich denke an frisches Heu, in Schmalz herausgebackene Bauernkrapfen und knisternde Scheite im Holzofen, wie bei Oma. „Im Korb beim Ofen liegt noch Holz. Zeitung, Späne, Holz. Feuerzeug?“ Die Protagonistin in Tamara Bachs neuem Roman weiß noch, wie das geht. Ihre Hände erinnern sich, wie der zur Zeit der Erzählung längst erkaltete Ofen angeheizt wird. Sie ist zusammen mit ihrem Bruder noch einmal in Großvaters altem Haus. Aus den beiden Kindern, die hier am Land ihre Ferien erlebten, sind junge Erwachsene geworden, denen die Worte zu fehlen scheinen und deren weniges Gesagtes einander nicht erreicht. Worüber sollen sie auch sprechen? Wenn das Früher keinen Anlass mehr gibt und das Heute verworren ist…

Der in knappen Sätzen geschriebene Text berührt und sorgt für diese spezielle Stimmung zwischen Glück und Desaster, wie sie nur Tamara Bach schafft. Wie und warum die beiden hierher zurückgekommen sind, sei nicht verraten, nur so viel ist sicher: was den Figuren an Sprache fehlt, finden Lesende irgendwo zwischen den Zeilen und vielleicht auch inmitten persönlicher Erinnerungsschnipsel. Sicher ist auch, dass es zum Bruch mit der Idylle kommen muss, nichts mehr wie früher ist und am Ende nur ehrliche Gegenwart bleibt.

Der Text wurde 2018 in der April-Printausgabe des momag publiziert.

Cover Bach

Mausmeer

Von Tamara Bach

Dieses Jugendbuch ist 2018 bei Carlsen erschienen und um € 13,40 im Buchhandel vor Ort erhältlich.