Wann sind Sie zuletzt mit dem Zug gefahren? Wann haben Sie zuletzt die ganze Strecke lang aus dem Fenster geschaut und nachgedacht? Wenn Städte, Dörfer, Straßen, Häuser, Bäume und Menschen auf Bahnsteigen vorbeiziehen, dann ziehen auch die Gedanken. So ist das doch beim Zugfahren, oder nicht? Wenn Gedanken lange genug reisen dürfen, dann formen sie sich, werden entlang der Strecke immer klarer. So manche Ideen, Lösungen oder Entscheidungen sind Zügen zuzuschreiben. Zugfahrten können den Durchblick verschaffen – oder auch den Überblick.

Im Bilderbuch „Marthas Reise“ von Christina Laube und Mehrdad Zaeri beginnt das Mädchen Martha ihre Reise, als die Bahnhofsuhr Viertel nach Zwei zeigt. Wenn sie ankommt, ist es vier Uhr. In diesen beiden Stunden schauen wir mit ihren Augen aus den Zugfenstern und versinken in Mehrdad Zaeris beeindruckenden Bildern. Einzelne Elemente der Illustrationen wurden in sogenannter Lasercut-Technik ausgeschnitten. Auch das verschafft Durchblick – und zwar von einer auf die nächste Seite und nach dem Umblättern wieder zurück auf die vorherige. Wie zarte Scherenschnitte wirken diese fragilen Bildelemente, die Marthas Gedanken- und Fragenreichtum bildlich zu Papier bringen. Lassen wir uns von Martha inspirieren!

Hier noch einer ihrer „Zuggedanken“: Wenn ein Mensch an einem Ort stark verwurzelt ist, möchte er gerne dort bleiben. Doch kann man seine Wurzeln mitnehmen, „wenn sie noch klein genug sind? So, wie man eine Pflanze in einem Topf mitnehmen kann?“

Der Text wurde 2018 in der Februar-Printausgabe des momag publiziert.

Marthas Reise

Von Christina Laube & Mehrdad Zaeri

Dieses Bilderbuch ist 2018 bei Knesebeck erschienen und um € 25,70 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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