Traurigkeit, die |

Substantiv, feminin

| Emotion tiefer Betroffenheit, zumeist von einem schwerwiegenden Erlebnis ausgelöst

Kinder- und Jugendromane sind Orte großer Gefühle. Sie bieten die Möglichkeit Emotionen zu erproben, indem wir mit Figuren bangen, lachen, weinen, … mit-erleben. Mit einer Figur zu lachen ist wundervoll, jedoch inmitten eines Texte richtig traurig sein zu dürfen, bringt ebenso besondere Lesemomente mit sich.

Hier habe ich einige bemerkenswerte Texte versammelt, die sich, neben unzähligen anderen Thematiken, auch der Traurigkeit widmen, auf ihre jeweils ganz eigene Art und Weise.

Shan Tan bedient sich in „Reise ins Innere der Stadt“ der starken Metapher des „schwarzen Wassers“:

Das Reden, das Seufzen, das Lachen und Schluchzen, das alles verband sich wie das Geräusch von schwarzem Wasser, das der Mutter um die Ohren brandete, nicht laut und tönend, wie sie sich eine solche Vernichtung immer vorgestellt hatte, sondern leise, wie Schaum, der im Küstensand versickert, und da weinte sie dann schließlich. (Tan, S. 115)

Die traurige Variante der Worte „mit Liebe gekocht“ begleitet eine zentrale Szene in Lara Schützsacks Roman „Sonne, Moon und Sterne“.

Danach serviert Iris Pfannkuchen. Schwer, süß und pappig. Sie kleben an den Zähnen fest und verbreiten einen mehligen Geschmack im Mund. (…)
„Ach, Mann! Schon wieder nichts geworden“, sagt sie. Ihre Stimme klingt traurig, und Gustav hat das Gefühl, dass diese Traurigkeit schon vor dem Pfannkuchen da war. Sie war schon da, als Iris den Entschluss gefasst hat, die Pfannkuchen zu backen. Die Pfannkuchen schmecken, als hätte Iris ihre ganze Traurigkeit in eine Schüssel gekippt und versucht, sie unter Mehl und Eiern und ein bisschen Zucker zu verstecken.
(Schützsack, S. 216)

Traurigkeit hat unterschiedliche Fassetten, eine davon ist ganz bestimmt ihre Verbindung zur Trauer. Wenn in Kinder- oder Jugendbüchern vom Tod erzählt wird, braucht es allem voran den Mut zur Ehrlichkeit, die Realität zu erzählen. Der Protagonist in Stefanie Höflers Roman „Der große schwarze Vogel“ bringt diesen Gedanken auf den Punkt:

Mas Todestag war ein strahlender Oktobertag. Wenn in einer Geschichte jemand stirbt, dann meistens an einem Regentag. Oder an einem nebelverhangenen Tag, an dem kein Sonnenstrahl die Wolkendecke durchdringt. Das passt besser zum Tod, unterstreicht die düstere Stimmung.
Ich will aber nicht, dass das hier nach einer düsteren Geschichte klingt. (…) Jedenfalls glaube ich, dass es für so eine Geschichte wichtig ist, dass ich die Wahrheit erzähle, und das gilt sogar für das Wetter. Und die Wahrheit ist: Der Tag, an dem meine Mutter plötzlich und völlig unerwartet starb, war ein strahlender Herbsttag.
(Höfler, S. 15)

Gemeinsam zu trauern ist tröstend, gemeinsam zu weinen auch. Um diesem großen Gefühl die richtigen Worte zu geben, benötigt Elisabeth Etz im Jugendroman „Nach vorn“ gerade mal zwei Sätze:

Lange sitzen wir so da, aneinander gelehnt, manchmal heulen wir, manchmal schauen wir einfach nur vor uns hin. Manchmal streicheln wir die Grashalme auf dem Grab. (Etz, S. 156)

Solidarität, Zusammenhalt, Familie, Liebe und Freundschaft – das alles braucht es in „Mein wildes blaues Wunder“ von Carlie Sorosiak, um zu heilen, was unaussprechlich und unüberwindbar scheint.

„Im Ernst, ich kann das auch alleine.“
Sie breitet ihre Antwort vor mir aus, als würde sie den Tisch zum Nachmittagstee decken. „Meine Mutter hat mal zu mir gesagt: Manchmal, wenn eine Frau im Dunkeln steht, braucht sie keine gottverdammte Taschenlampe. Was sie braucht, ist eine andere Frau, die ihr im Dunkeln zur Seite steht.“
(Sorosiak, S. 78)

Dem bleibt nichts hinzu zu fügen. Außer vielleicht dieses wundervolle armenische Sprichwort:

Lasst uns weinen, aber dennoch weitergehen. (Essig, S. 92).

Hintergrundwissen über diese Redensart und eine Vielzahl anderer mehr, hat Rolf-Bernhard Essig erforscht und zusammen mit Regina Kehns pointierten Illustrationen im Band „Da haben wir den Salat“ versammelt.

Reise ins Innere der Stadt

Von Shaun Tan

Aus dem Engl. v. Eike Schönfeld

Der Band ist 2018 bei Aladin erschienen und um € 28,80 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

→ Für alle, deren Lieblingsbuchhandlung nicht um die Ecke erreichbar ist: Bestellen Sie das Buch gleich hier portofrei im österreichischen Online-Buchhandel!

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Sonne, Moon und Sterne

Von Lara Schützsack

Dieser Kinderroman ist 2019 bei S. Fischer Sauerländer erschienen und um € 14,40 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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Der große schwarze Vogel

Von Stefanie Höfler

Dieser Roman ist 2018 bei Beltz & Gelberg erschienen und um € 14,40 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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Nach vorn

Von Elisabeth Etz

Dieser Jugendroman ist 2018 bei Tyrolia erschienen und um € 16,95 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

→ Für alle, deren Lieblingsbuchhandlung nicht um die Ecke erreichbar ist: Bestellen Sie das Buch gleich hier portofrei im österreichischen Online-Buchhandel!

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Mein wildes blaues Wunder

Von Carlie Sorosiak

Aus dem Engl. v. Ulrike Köbele

Dieser Kinderroman ist 2018 bei Arena erschienen und um € 17,50 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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Da haben wir den Salat

In 80 Sprichwörtern um die Welt

Von Rolf-Bernhard Essig & Regina Kehn

Diese Sprichwortesammlung ist 2018 bei Hanser erschienen und um € 14,40 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

→ Für alle, deren Lieblingsbuchhandlung nicht um die Ecke erreichbar ist: Bestellen Sie das Buch gleich hier portofrei im österreichischen Online-Buchhandel!

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