Schattenspiele sind wie Wolkentiere: Wer einmal damit anfängt, kann nicht mehr aufhören. Tiere am Himmel sieht nur, wer den Kopf ab und an in den Wolken hat. Schattenbilder werden dann sichtbar, wenn wir mit wachen Blicken schauen und da, wo Licht ist, auch den Schatten sehen. Die nötige Portion Phantasie ist freilich für beides Voraussetzung.

Entlang des Tages werfen Schatten sehenswerte Muster; an Hauswände, Fußböden oder Küchentische. Je nach Lichteinfall produzieren sie Momentaufnahmen vergänglicher Kunststücke. Wer sie einfangen möchte, muss die Kamera rechtzeitig zur Hand haben. Vincent Bal ist einer, der das Entdecken von Schattenbildern professionalisiert hat. „Shadowology“ nennt er augenzwinkernd seine Methode der Schattenbildgestaltung. „Wenn ich ein Objekt sehe, von dem ich denke, es verbirgt etwas Interessantes, lege ich es ans Licht.“ Nachdem er ein Objekt ins rechte Licht gerückt und mitsamt Schatten fotografiert hat, ergänzt Bal seine Bilder mit wenigen, gekonnt inszenierten, schwarzen Linien. Aus dem Schatten einer Badeente tritt plötzlich ein grimmig dreinschauender Bankräuber, ein Stöckelschuh wird zur Rutsche, im Schatten-Gitternetz einer Fliegenklatsche klettert eine Spinne. Der jüngst dazu erschienene Band ist eine Sammlung spektakulärer Schatten-Kunstwerke, die faszinieren, erheitern, inspirieren und schön anzuschauen sind. Dem Künstler via Instagram zu folgen, lohnt übrigens ebenso. Betrachten Sie ruhig auch mal die Schattenseiten!

Der Text wurde 2019 in der November-Printausgabe des momag publiziert.

Shadowology

Von Vincent Bal

Aus dem Niederl. v. Birgit Erdmann

Dieses Kunst- und Kreativbuch ist 2019 bei Mixtvision erschienen und um € 18,50 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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