»Unsichtbarkeit eingeschaltet, Käptn.« Wir befinden uns an Bord der »Invisibility 2«. Leutnant Bob hat soeben die Unsichtbarkeit eingeschaltet, entsprechend schwarz ist es. »Warum ist es so dunkel? Sollten wir nicht die Sterne sehen? Geheimnisvoll funkelnd?« Und die Innenbeleuchtung? Ebenfalls unsichtbar. Darüber hinaus wird soeben klar, dass sich Offizierin Suki nicht erinnern kann, mit welchem Knopf die Unsichtbarkeit deaktiviert werden kann. Vom Kurs scheint die Invisibility 2 mittlerweile auch ein wenig abgekommen zu sein. – Soweit die brenzlige Ausgangslage. Konsequenterweise ist in den Panels fast ausschließlich tiefe, schöne Schwärze zu sehen, nur über die Farbe der Sprechblasen können die Dialoge den Figuren zugeordnet werden. Die vier handelnden Charaktere Kapitän Bück, Offizierin Suki, Leutnant Bob sowie Honk waren eingangs, noch vor dem Innentitel, einmal zu sehen. Wer also zwischendurch nicht weiß, von wem welche Aussage kommt, kann jederzeit zurückblättern.

Patrick Wirbeleits und Andrew Matthews Texte werden ins Schwarze gesprochen, Leser*innen tappen also ebenso im Dunklen wie die Figuren. »Gibt es nicht doch irgendeine Möglichkeit, uns aus der dunklen Materiewolke herauszubringen?«

Uwe Heidschötters wenigen, aber pointierten Illustrationen zeigen das Aufflackern dieser Möglichkeit einmal auf Seite 42 (von insgesamt 69 Seiten) in einer kurzen Panelfolge, dann herrscht wieder Dunkelheit. Während die Besatzung weiterhin und mittlerweile etwas verzweifelt versucht, die Lage in den Griff zu bekommen, wird die räumliche Vorstellungskraft der Leser*innen angespornt. Soll man einen Raumplan des Raumschiffes entwerfen? Oder das »Stück« zu viert in verteilten Rollen laut vortragen? Könnte beides unterhaltsam sein. Darüber hinaus ist »Das unsichtbare Raumschiff« auch gut als Erstlesebuch denkbar, könnte beispielsweise bilderbuchaffine Schulanfänger*innen ansprechen, da die Texte eine gewisse Bildkompetenz voraussetzen. Der Handlungsbogen dieses kurzweiligen, charmant-witzigen sowie skurrilen als auch spannenden Kindercomic wird von den dynamischen Dialogen getragen und lebt von den charakterstarken Figuren sowie einer genialen grafischen Gestaltung. Und auf den letzten drei Seiten lässt der Illustrator Uwe Heidschötter sogar noch mal was sehen …

 

→ Meine Rezension zu „Das unsichtbare Raumschiff“ wurde in der Print-Ausgabe von 1001 Buch. Das Magazin für Kinder- und Jugendliteratur 3/2021 auf Seite 68 publiziert.

Das Foto zum Buchtitel dieses Blog-Beitrags hat Peter Rinnerthaler von eins zwei viele alle. Fotografie und Familie zur Verfügung gestellt.

Das unsichtbare Raumschiff

Von Patrick Wirbeleit, Andrew Matthews & Uwe Heidschötter

Dieser Kindercomic ist 2021 bei Kibitz erschienen und um € 15,50 im Buchhandel vor Ort erhältlich.

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